Flickr und Getty: die grösste Bildagentur der Welt?
Getty Images hat die Zusammenarbeit mit Flickr.com erweitert. Jetzt kann jeder Fotograf seine Sammlung als potentiell lizenzierbar über Getty kennzeichen. Dazu gibt es einen neuen Link “Request to License”. Der Fotograf kann also entscheiden, ob er die komplette Sammlung zu Lizenzierung über Getty anbietet oder nicht. Da liegt auch der Wermutstropfen, denn die Entscheidung lässt sich nicht auf Bildebene treffen, sondern betrifft immer die komplette Sammlung. Dieser wichtiger Aspekt hat zu intensiven Diskussionen geführt. Was ist z.B. wenn ein Fotograf Bilder exklusiv bei einer Agentur bereits anbietet ? Es könnte sein, dass es nur wenige Bilder betroffen sind, aber dadurch wird die komplette Sammlung nun nicht lizenzierbar, ansonsten würde der Fotograf rechtliche Probleme bekommen. Der Teufel steckt wie immer in Detail.
Das dürfte jedoch für die Mehrzahl der Fotografen nicht zutreffen. Für sie ist diese Option zur Zeit die schnellste und unkomplizierte Möglichkeit, ihre Bilder zum Verkauf anzubieten.
Ein sehr geschickter Schachzug von Getty, den von nun an erweitert sich ihre -ohnehin nicht gerade kleine - Sammlung um Millionen von Flickr-Bilder (vorausgesetzt, viele Fotografen machen mit). Ich nehme an, Getty sucht hier nicht nur typische Stockbilder sondern auch sehr spezielle, in den Agenturen kaum vorhandene Bilder über Spezialthemen. Da ist die Qualität oft nicht das Hauptargument, sondern der Wunsch überhaupt so ein seltenes Bildmaterial zu finden. Es gibt zig Beispiele dafür, selten besuchte Orte, kleine Details die nicht jeder fotografiert, Abbildung von nicht mehr verfügbaren Gegenstände .. die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Oft haben Bildkäufer ganz spezielle Wünsche die in den Agenturen kaum zu finden sind.
Ist das Bild zur Lizenzierung über Getty freigegeben, kann der potentielle Kunde über den neuen Link am Bild Getty kontaktieren, die wiederum sich mit dem Fotografen über Flickr Mail in Verbindung setzen wird. Der Fotograf kann immer noch die Konditionen ablehnen. Der Prozess läuft also nicht vollautomatisch wie bei den Agenturen üblich sondern erfordert manuelles Eingreifen. Dies könnte auch ein Nachteil sein, denn der Fotograf ist ja nicht immer zu jeder Zeit erreichbar und dadurch können Ihm auch potentielle Lizenzeinnahmen verloren gehen. Aber ein Versuch ist es allermal Wert, vorausgesetzt natürlich, man ist nicht bereits Exklusiv bei einer anderen Agentur gebunden.